"Wir sind ein lernendes Unternehmen"

Die abilia – vormals ‚Gesellschaft zur Förderung geistig Behinderter GFG in Basel ‘ – steht für eine wache und aktive Organisation im Dienste von Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Rolf Müller ist Vorsitzender der Geschäftsleitung und berichtet aus der Unternehmung.

  Rolf Müller, Vorsitz der Geschäftsleitung abilia.

Rolf Müller, aus GFG wurde abilia. Was hat es mit dieser Namensänderung auf sich?
Die Förderung unserer KlientInnen stellt nach wie vor einen wichtigen Teil unseres Auftrags dar. Doch hat sich unser Tätigkeitsfeld in den letzten Jahren stark verändert. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen erreichen heute beispielsweise ein viel höheres Lebensalter als in den Anfängen der GFG. Diese erfreuliche Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. In der Betreuung älterer KlientInnen steht indes weniger die Förderung im Vordergrund als das Erhalten vorhandener Fähigkeiten. "Befähigen" trifft unseren Auftrag viel besser als "Fördern". Denn darum geht es in allen Institutionen unserer Organisation. Das spiegelt sich im neuen Namen abilia sehr schön wider.

Die Organisation abilia hat sich in den letzten Jahren einem tiefgreifenden Wandel unterzogen. Welches sind die wesentlichen Merkmale dieser Neuausrichtung?
Eine wichtige Veränderung ist der Wandel von der Betreiberin weitgehend eigenständiger Wohnhäuser hin zur dezentralen, aber vernetzten und sich als Einheit verstehenden Organisation. Unsere verschiedenen Standorte bieten unterschiedliche Dienstleistungen an und weisen klar definierte Kompetenzfelder auf. Gleichzeitig sollen sie durchlässig sein und vom gegenseitigen Austausch profitieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei unser Fachdienst Gesundheit, der ständig in den verschiedenen Häusern unterwegs ist und eine Reflexion von aussen einbringt. Dieses kritische Hinterfragen wollen wir kultivieren und so gemeinsam unsere Fachkompetenz weiterentwickeln. Auch unsere MitarbeiterInnen sind dazu angehalten, bestehende Abläufe und Regeln, aber auch sich selbst und ihr Handeln ständig zu hinterfragen. Wir verstehen uns als Suchende, als lernendes Unternehmen. Dieser Prozess ist nie abgeschlossen.

Wie unterscheiden sich die einzelnen abilia-Standorte voneinander?
Im Wohnhaus Titus richtet sich das Grundangebot eher an junge Erwachsene, in den Aussenwohngruppen sollen KlientInnen auf weitgehend selbständige Wohnformen vorbereitet werden. Der Standort Friedensgasse hat sich zu einem Kompetenzzentrum für Palliativpflege entwickelt, in dem wertvolle Erfahrungen in diesem für alle Institutionen neuen Bereich gesammelt werden. abilia ist in diesem Bereich auch ein wichtiger Partner für die kantonalen Behörden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Fähigkeit der abilia, auch kurzfristig KlientInnen aufnehmen zu können. Die räumlichen Ressourcen vorausgesetzt, kann dies bei Bedarf innerhalb von zwei Stunden geschehen. Dies unter Gewährleistung aller betreuerischen wie auch medizinischen Bedürfnisse.

Die Neuausrichtung hatte auch Folgen für die bauliche Infrastruktur der Organisation. Warum sind diese Investitionen nötig?
Grundsätzlich sollen in den einzelnen abilia-Häusern BewohnerInnen mit ähnlich gelagerten Bedürfnissen wohnen. Diese Bedürfnishomogenität lässt sich am ehesten in kleinen und flexiblen Wohngruppen herstellen. Deshalb haben wir in den letzten Jahren die bauliche Infrastruktur unserer Wohnhäuser erneuert und werden das auch zukünftig tun.